Unser Quartier: Das Moltkeviertel in Essen

KaM, Moltkeviertel

Das Moltkeviertel in Essen

Der im Nordwesten des Moltkeviertels gelegene Moltkeplatz ist ein markanter Eingang des Viertels. Wie auf dem obigen Luftbild erkennbar, erstreckt sich der Platz von der keilförmigen ‒ von Bäumen umrahmten ‒ Rasenfläche mit dem Skulpturenensemble (links unterhalb der SELK Kirche am Moltkeplatz) hin zu den roten Tennisplätzen am rechten Bildrand ‒ und noch etwa 100 m weiter nach rechts in südlicher Richtung bis zur Moltkestraße.

Das nachfolgende Bild zeigt den unteren Moltkeplatz ‒ den Bereich, der seit 1982 das Skulpturenensemble beherbergt ‒ in einer alten Aufnahme aus den 1910-er Jahren.

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Der untere Moltkeplatz in den 1910-er Jahren

Das Moltkeviertel (hier in Wikipedia) blickt auf eine mehr als einhundertjährige Geschichte zurück und ist auch heute lebens- und sehenswert. Geplant wurde es Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Essener Beigeordneten Robert Schmidt unter bürgerlich-sozial­­reformerischen Gesichts­punkten mit dem Ziel, unweit der Essener Innenstadt ein Viertel mit hoher Wohnqualität ent­stehen zu lassen. Zehn Bürger*innen des Moltkeviertels waren es, die 2006 den Verein KaM e.V. gründeten, um den Erhalt des Skulpturenensembles auf dem Moltke­platz lang­fristig zu sichern; siehe hier.

Ein markanter Punkt des Moltkeviertels ist der alles überragende ‒ und von weither sichtbare ‒ Uhrturm der ursprünglichen Königlichen Bau­gewerkschule an der Robert-Schmidt-Straße / Ecke Moltkestraße gegenüber dem südostlichen Ende des Moltkeplatzes. Seit 1982 ist in dem Gebäude das Robert-Schmidt-Berufskolleg untergebracht. Das Gebäude wurde von dem Essener Architekten Edmund Körner gebaut (fertig­ge­stellt 1911). Zu den weiteren bekannten Architekten von Bauten im Moltkeviertel zählt Georg Metzendorf, der unter anderem auch die Siedlung Margarethenhöhe schuf.

Karten und Luftbilder des Moltkeviertels

Für eine OSM-Karte des Moltkeviertels und seiner Umgebung klicken Sie hier. Die Karte ist zentriert auf das Robert-Schmidt-Berufskolleg (die ehemalige Bau­gewerkschule) mit seinem Uhrturm. Nach allgemeinem Verständnis wird das Moltkeviertel im engeren Sinne begrenzt durch die Ruhrallee, Töpferstraße, Rellinghauser Straße und die Trasse der S-Bahn-Linie S6 Essen Hbf ‒ Süd ‒ Stadtwald ‒ Villa Hügel ‒ Werden ‒ Kettwig ‒ Düsseldorf ‒ Köln (Essener Teilstück eingeweiht 1877; siehe hier). Plan mit Umriß des Moltkeviertels hier.

Stadtplan 1910: aus Historisches Portal Essen
Stadtplan 1979: aus Historisches Portal Essen

Für weitere historische und aktuelle Karten (auch aktuelle Luftbilder) von ganz Essen nutzen Sie das Historische Portal Stadt Essen. Für ein historisches Luftbild aus 1926 eines Teils des Moltkeviertels (Flug 11, Bild 263; aus einer Sammlung der WAZ) siehe hier. Weiteres auch hier.

Fotos

Robert-Schmidt-Berufskolleg
Wohnhaus Heinemann, Schinkelstraße 34
Wohnhaus Villa Koppers, Moltkeplatz 61
Verwaltungsgebäude Koppers, Moltkestraße 29

Link zu weiteren Bildern auch hier.

Elisabeth-Krankenhaus (links) und Ruhrturm (rechts) an der Ruhrallee (im Bogen von links unten nach rechts oben) / Kreuzung Moltkestraße.
Aufnahme aus 2009
Huyssens-Stiftung (oben); Schinkelstraße (rechter Rand); Ruhrallee (unten links angeschnitten); Moltkestraße (Mitte etwa horizontal von links nach rechts). Aufnahme aus 2009
Nördlicher Teil des Moltkeviertels: Berufskolleg (Mitte), gegenüber das LZB-/ Bundesbank-Gebäude Moltkestraße 31‒33. Huyssens-Stiftung (oben links); Moltkeplatz mit roten Tennisplätzen (unten rechts). Aufnahme aus 2009

Nördlicher Teil des Moltkeviertels: Blick vom Beginn der Ruhrallee nach Süden. Rechts Moltkeplatz, rechts unten die Skulpturenwiese (seit 1982). Oben Mitte/links: Berufskolleg. Aufnahme vermutlich aus den 1980er-Jahre vor dem Abriss der Gebäudegruppe der Fa. Koppers in der Bildmitte. Nach deren Abriss und der Verkleinerung des alten Koppers-Gebäude an der Moltkestraße 29‒31 entstanden dort der Neubau der LZB- (später Bundesbank-) Filiale Moltkestraße 31‒33 und die Wohngebäude Moltkeplatz 25‒55; siehe auch historische Karten hier und das Luftbild oben aus 2009.

Zu den bemerkenswerten Gebäuden im Moltkeviertel zählen das Wohnhaus des Bundespräsidenten Gustav Heinemann (Schinkelstraße 34), das Gebäude der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche SELK am Moltkeplatz / Ecke Semperstraße (Mitte des großen Luftbildes oben), der über Eck zusammenhängende Gebäudekomplex der ehemaligen Villa Koppers (Wohnhaus, Moltkeplatz 61) mit dem Verwaltungsgebäude Koppers (Moltkestraße 29) an der Ecke Moltkestraße / Moltkeplatz, die Krankenanstalten des Huyssens-Stifts an der Henricistraße sowie auf der anderen Seite der Ruhrallee der Ruhrturm (das ehemalige Ruhrgas-Gebäude) sowie das Elisabeth-Krankenhaus an der Ruhralle / Ecke Moltkestraße.

Seit dem 25. März 2022 erinnert der Uta-Ranke-Heinemann-Platz an der Ecke Henricistraße / Franziusstraße im Südwesten des Moltkeviertels an die ein Jahr zuvor verstorbene weltweit erste katholische Theologie-Professorin Uta Ranke-Heinemann. Aufgewachsen im Haus ihrer Eltern Hilda und Gustav Heinemann in der Schinkelstraße 34, wohnte Uta Ranke-Heinemann später mit ihrer eigenen Familie in der Henricistraße ‒ ebenfalls im Moltkeviertel: in fußläufiger Entfernung zu dem jetzt nach ihr benannten Platz. Mehr dazu hier.

Erhaltungssatzung und Denkmalschutz

Für den größten Teil des Moltkeviertels gilt eine im Jahre 1983 erlassene Erhaltungssatzung; siehe hier und hier.

Viele Gebäude stehen unter Denkmalschutz; siehe unter anderem hier (für den Teil, der im Stadtteil Essen-Südostviertel liegt) und hier (in -Huttrop); für die Abgrenzung zwischen den beiden Stadtteilen siehe den Plan weiter unten oder zum Beispiel hier. Plan zu (Bau-) Denkmälern in Essen hier.

Die Berne: aus dem Moltkeviertel nach Norden bis zur Emscher

Die Berne ist ein kleiner Fluss, der mit einem Arm im Moltkeviertel und dem anderen direkt westlich davon entspringt und am östlichen Rand der Essener Innenstadt nach Norden bis zur Emscher führt. Der Lauf der Berne ist im Moltkeviertel und in der Innenstadt vollständig verrohrt und erst nördlich der Innenstadt ein offenes Gewässer … gegenwärtig noch weitgehend kanalisiert und betoniert. Auf Karten vor 1874 des Historischen Portals Stadt Essen sind im Bereich der Stadt mehrere Mühlen- und Fisch-Teiche eingezeichnet, die von der Berne gespeist bzw. durchflossen wurden.

Die Berne hat zwei Quellarme, von denen einer im Bernewäldchen direkt westlich der Richard-Wagner-Straße bei der Straße Am Bernewäldchen entspringt (etwa 200 m westlich der Mitte des Moltkeplatzes und damit etwas außerhalb des eigentlichen Moltkeviertels; Karte siehe hier); die Quelle ist dort ausgeschildert.

Der andere Arm entspringt etwa 1 km südsüdöstlich bei der Henricistraße nahe der Einmündung in die Rellinghauser Straße und reicht von dort nach Norden Richtung Moltkeplatz. Dieser Arm ist auf einer Karte aus 1874‒1875 schon nur noch verkürzt nördlich der heutigen Moltkestraße eingezeichnet. 1877 wurde die dort Nord-Süd verlaufende Bahntrasse der heutigen S6 angelegt (in historischen Karten bereits 1874‒1875 eingezeichnet), über die nach 1907 die Moltkestraße mit der 1910 erbauten Moltkebrücke (siehe in der Liste hier) auf einem östlich der Brücke anschließenden Damm geführt wurde.

Heutzutage sind alle Quellarme und Zuflüsse der Berne und deren weiterer Verlauf bis nördlich der Essener Innenstadt verrohrt und verlaufen vollständig unterirdisch.

„Honigmannkarte 1803-1806“; heutiger Stadtplan transparent hinterlegt; aus Historisches Portal Stadt Essen. Klicken in ein Kartenbild vergrößert dies.
Karte „Historischer Stadtkreis 1874-75“; heutiger Stadtplan transparent hinterlegt; aus Historisches Portal Stadt Essen

Die Karten zeigen, dass die beiden Quellarme der Berne im Bereich der heutigen Skulpturenwiese etwa auf Höhe der SELK Kirche am Moltkeplatz zusammenflossen. Die Karte aus 1803‒1806 zeigt direkt nördlich davon einen kleinen Teich. Karten aus dem Jahr 1894 und später zeigen keinen offenen Verlauf der Berne mehr. Die SELK Kirche ‒ zur besseren Orientierung markiert ‒ wurde 1910 zu Beginn der Bebauung des Moltkeviertels errichtet.

Ein weiterer Zufluss der Berne auf ihren ersten Bach-Kilometern entspringt mit mehreren kleinen Teichen zwischen (heutige Lagebezeichnungen) Ruhrallee und Saarbrücker Straße am westlichen Rand des Ostfriedhofs (etwas außerhalb des eigentlichen Moltkeviertels), fließt von dort nach Westen und trifft direkt westlich der S-Bahnstrecke auf dem heutigen Gelände von RVR und Ruhrverband auf die Berne. Auch dieser Zufluss ist an der Oberfläche nicht mehr sichtbar. Für einen Ausschnitt aus der „Honigmannkarte 1803‒1806“ des Historischen Portals der Stadt Essen siehe hier.

Der gesamte Verlauf der Berne vom Moltkeviertel (im Süden) bis nördlich der heutigen Essener Innenstadt ist sichtbar auf vier Kartenausschnitten aus der „Honigmannkarte 1803‒1806: hier (im Süden) > hier > hier > hier (im Norden).

Die Künstlerin Anys Reimann hat für ihr temporäres Werk Bernehain (Aufstellung 2022‒2023 auf der Skulpturenwiese Moltkeplatz) den historischen Verlauf der Quellarme der Berne und eine mit deren Quellbereich zusammenhängende Sage von der Berne recherchiert und in das Konzept für ihr Werk einfließen lassen.

Weitere Informationen:

Verwaltungstechnisch gehört das Moltkeviertel zu den Stadtteilen Essen-Südostviertel und Essen-Huttrop.

Amtlicher Stadtplan der Stadt Essen; das Moltkeviertel wird nach allgemeinem Verständnis begrenzt durch die Ruhrallee, Töpferstraße, Rellinghauser Straße und die S-Bahn-Trasse.

Geoportal der Stadt Essen mit diversen anwählbaren Inhalten.

Historische Karten des Moltkeviertels (Historisches Portal Stadt Essen)

Das Moltkeviertel in Wikipedia; Wikimedia Commons Bilder hier.

Das Moltkeviertel auf baukunst-nrw.de (Architektenkammer NRW).


Buch über das Moltkeviertel

Berger Bergmann und Peter Brdenk (Hg.): Das Moltkeviertel in Essen ‒ Die etwas andere Gartenstadt

mit Beiträgen von
Berger Bergmann • Peter Brdenk • Holger Krüssmann • Christian Nielinger • Mandy Berger-Bringsken • Vilma Klingaite • Laura Krys • Kim Kurowski • Ellen Rosenkranz • Gina-Maria Schwenzfeier • Katharina Wicking

Klartext Verlag Essen 2022 hier, 84 Seiten, Broschur. ISBN 978-3-8375-2560-1. 14,95 €.

Mehr zu dem Buch hier.

SELK Kirche am Moltkeplatz / Ecke Semperstraße; Foto: www.nielinger.de

Eine Sammlung hochwertiger Schwarz-Weiß-Bilder, die während des Projektes zur Erstellung des Buches Das Moltkeviertel in Essen – Die etwas andere Gartenstadt entstanden sind und von dem Fotografen Christian Nielinger zur Verfügung gestellt werden, finden Sie hier.


Heft über das Moltkeviertel

Der Verein KaM hat als örtlicher Partner des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln, an der Erstellung eines Heftes über das Moltkeviertel mitgewirkt. Die Broschüre von Tankred Stachelhaus: Das Essener Moltkeviertel ‒ Weltweit einzigartige RaumKunst ist im Juni 2010 erschienen (Rheinische Kunststätten; Heft 521, 32 pp, Köln 2010, ISBN 978-3-86526-051-2).

Das Heft zeigt und beschreibt unter anderem die Kunstwerke auf dem Moltkeplatz. Für die entsprechenden Abschnitte liegen von Vereinsmitgliedern angefertigte Übersetzungen in verschiedenen Sprachen vor; siehe auch hier. Das Heft kann bei KaM e.V., Moltkeplatz 9, 45138 Essen; Tel 0201 261366, Fax 0201 269396; E-Mail KaM@kunst-am-moltkeplatz.de zum Preis von € 3 (bei Versand zzgl. Porto und Verpackung) erworben werden. Hier die Titel- und Rückseite des Heftes:

Presseartikel anläßlich des Erscheinens des neuen Hefts über das Moltkeviertel am 5. Juli 2010:

Tankred Stachelhaus: Das Essener Moltkeviertel ‒ Weltweit einzigartige RaumKunst, Hrsg.: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Rheinische Kunststätten Heft 521), 32 pp, Köln 2010, ISBN 978-3-86526-051-2

WAZ/NRZ 2. Juli 2010: „Ein Kunstwerk zum Wohnen“; Teil 1, Teil 2

NRZ 2. Juli 2010: „Manifest der Avantgarde“; Teil 1, Teil 2

COOLIBRI September 2010: 100 Jahre RaumKunst

Werdener Nachrichten 3. September 2010: Einladung zur RaumKunst

Literatur über das Moltkeviertel und die Stadtteile Südostviertel & Huttrop:

Berger Bergmann und Peter Brdenk (Hg.): Das Moltkeviertel in Essen ‒ Die etwas andere Gartenstadt; siehe oben und hier.

Tankred Stachelhaus: Das Essener Moltkeviertel ‒ Weltweit einzigartige RaumKunst; siehe oben.

Ein Stadtquartier als großer Wurf: WAZ-Artikel vom 1. Oktober 2013; siehe hier

Silke Lück: Das Moltkeviertel in Essen; Hrsg.: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Rheinische Kunststätten; Heft 449), 23 pp, Köln 2000, ISBN 3-88094-858-5. (Dies Heft ist ‒ auch beim Verlag ‒ vergriffen. Sprechen Sie den Verein KaM an, wenn wir Ihnen hierzu weitere Informationen geben können; Kontakt hier).

ESSEN SIND WIR: Broschüre der EMG für den Bereich des Stadtbezirks 1 (Stadtmitte und die umliegenden Stadtteile) 2013. Kunst am Moltkeplatz ist hierin ein Highlight. PDF der gesamten Broschüre hier (8,2 MB). Der Artikel über KaM findet sich auf Seite 50 / 51. Der Moltkeplatz wird auch auf den Seiten 70 / 75 / 76 erwähnt.

Essens bunte Seite

Essens bunte Seite: Südostviertel & Huttrop, Der Stadtteilführer von Bürgern für Bürger; mit Karte; Hrsg.: Initiativkreis „Essens bunte Seite“, c/o Storp9, Storpstraße 9, 45139 Essen, 2014. (Erhältlich u. a. bei KaM.) Wählen Sie das Bild des Stadtplans für eine größere Darstellung aus. Das Moltkeviertel ist blau unterlegt; KaM ist als hellrote Nr. 2 markiert. KaM hat das Projekt unterstützt und beim Entstehen des Stadtteilführers intensiv mitgewirkt.

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Presseartikel zum Entstehen von Essens bunte Seite, dem Stadtteilführer von Bürgern für Bürger:

WAZ-Artikel vom 24. Oktober 2012

WAZ-Artikel vom 13. Dezember 2012 (pdf)

WAZ-Artikel vom 18. Februar 2013

WAZ-Artikel vom 25. Februar 2013 (pdf)